Aktuelles aus dem Bezirk
Führung auf MelatenSamstag, 01.11.2008
Köln. Zur Vorbereitung auf den Gottesdienst für Entschlafene boten die Gemeinden Köln-Raderberg, Köln-Weiden und Hürth an Allerheiligen, - Samstag, 1. November 2008 - eine Führung auf dem Friedhof Melaten an.
Pünktlich um 11:00 wurden über 30 Teilnehmer am Friedhofseingang an der Aachener Straße von unseren Geschwistern Daniela Gruss, Sonja Zimmermann und Manuel Krempf, die Führung über Melaten organisiert hatten, herzlich begrüßt. Sogleich ging es zum Startpunkt des Rundgangs. Am Grab des Dompfarrer Michael Dumont, der den Friedhof im Jahre 1810 eingeweiht hatte, erhielten wir erste interessante Informationen über diesen “Gottesacker“ und seine Geschichte.
War es bis zur Franzosenzeit in Köln üblich, dass die Verstorbenen direkt auf dem Kirchhof neben der Kirche bestattet wurden, so ließen die Franzosen aus hygienischen und Platzgründen außerhalb der Stadtmauern städtische Friedhöfe anlegen. In Köln wurde auf Vorschlag des Universalgelehrten Franz Ferdinand Wallraf der erste städtische Friedhof auf dem Gelände des früheren Guts Melaten errichtet, wo sich zuvor ein Heim für Leprakranke befunden hatte. Aus dem französischen Wort „malade“ für krank entwickelte sich im Laufe der Zeit die Friedhofsbezeichnung „Melaten“. Nach den Vorstellungen der Franzosen wurden die neuen Friedhöfe parkähnlich angelegt; denn sie sollten die Besucher auch zum Verweilen anlocken und ihnen einen Ort der Erholung bieten. Dieser Gedanke lässt sich auch heute auf Melaten noch heute gut erkennen.
Dass es zur damaligen Zeit noch keine Emanzipation gegeben hat, erfuhr die Teilnehmergruppe am nächsten Haltepunkt. Üblich wurden Frauen unter dem Namen ihres Mannes beigesetzt. So war das Grab, das ein Mann für seine liebe Frau Maria Catharina Urbach hatte errichten lassen, in der damaligen Zeit schon etwas Besonders; denn ihr Name steht auf dem Grabstein.
Der Weg führte weiter zur Grabstätte der Klosterfrau Maria Clementine Martin, die das heute noch bekannte „Klosterfrau Melissengeist“ erfunden und vertrieben hatte. Auch die Geschichte einiger anderer bedeutsamer Frauen lernten wir auf unserem Rundgang kennen. Besonders beeindruckend war der Gang über die Millionenallee, wo die imposanten Grabanlagen mancher bekannter Kölner Familien und Unternehmerdynastien bewundert werden konnten. Und doch: augenfällig waren auch zerfallene Grabanlagen an diesem Weg. Einstmals mächtige Patrizierhäuser hatten sie errichten lassen, doch heute kümmert sich niemand mehr um diese Anlagen. Sie sind vergessen; vom einstigen Reichtum ist nichts geblieben. Gerade hier, an der alten Kapelle, hielten wir an und gedachten aller, die einmal an exponierter Stellung gestanden hatten, an die heute aber niemand mehr denkt.
Aber es ging nicht nur um den Wirtschaftsstandort Köln. Als Vertreter der Kulturstadt Köln wurde auch am Grab von Willi Millowitsch, dem Kölner Volksschauspieler und Ehrenbürger, angehalten. Viele Kränze von der Stadt Köln an Allerheiligen aufgestellt wiesen auf Kölner Bürgermeister, Ratsherren und Ehrenbürger hin. Wir verweilten dagegen am Grab von Christine Teusch, der ersten deutschen Bundesministerin. Eine Briefmarke wurde zu ihrem Gedenken heraus gegeben; unser Gedenken zeigte sich in einem stillen Gebet an ihrem Grab
Der Rundgang sollte aber bewusst nicht nur zu den Grabstätten bekannter Kölner Persönlichkeiten führen. So wurden auch immer wieder angehalten an einfachen Grabanlagen. Darunter war das Grab eines 12jährigen Jungen, das mit Spielsachen geschmückt war und wo wohl die Eltern in einem Baum hinter dem Grab ein Windspiel angebracht haben.
Viele alte Grabanlagen, bei denen es keine Nachkommen mehr gab, wurden im Rahmen eines Patenschaftssystems, an interessierte Paten zur Pflege übergeben. Ein bekanntes Patenschaftsgrab und zugleich eines der bekanntesten Grabmale auf Melaten ist der "Sensenmann". In der rechten Hand hält die Figur eine Sanduhr und (früher) in der linken Hand eine Sense. Die Paten dieser Grabstelle, die Steinmetzfamilie Steinnus, ließen dort ihren kleinen Sohn Martin begraben. Sie schmückten die Grabstelle mit einem Frosch, in Anlehnung an seinen Spitznamen „Fröschlein“. Dennoch ist dieses Grabmal bis auf den heutigen Tag das wohl am meisten Furcht einflößende Monument auf Melaten.
Ergreifend war auch die Statue, die ein Mann für seine bei der Geburt verstorbenen Frau und Kind errichten ließ. Der Künstler hatte als Grabmal eine Skulptur aus einer Frau mit ihrem Kind auf dem Arm gefertigt und dabei die Gesichter nicht ausgearbeitet. Dies soll ausdrücken, dass sich Mutter und Kind im Leben nicht persönlich kennen gelernt haben.
Nach 1 1/2 Stunden waren wir wieder am Ausgangspunkt unseres Rundgangs angekommen. Als wir schon dachten, die Führung sei zu Ende, führten uns unsere Geschwister noch zu einer Grabstätte unweit des Eingangs. Sie war eigentlich nicht mehr als Grab zu erkennen. Der Grabstein war entfernt, die Grabfläche verwildert und die Umrandung vom Grab her überwachsen. Eindringlich wurden wir noch einmal aufgefordert, niemanden zu vergessen. Nachdenklich aber freudig, bittend für diese Seelen eintreten zu dürfen, machten wir uns wieder auf den Heimgang. Wirklich eine gelungene Einstimmung auf den Gottesdienst für Entschlafene. Nochmals herzlichen Dank an Daniela Gruß, Sonja Zimmermann und Manuel Krempf.
Alfred Krempf, Köln


